Disclaimer: Der folgende Text entstand ursprünglich für die Schülerzeitung etcetera, für die ich während meiner Schulzeit tätig war. Der Text wird hier nur erneut hochgeladen und unkorrigiert übernommen. Außerdem sei zu bemerken, dass dieser Text bereits im Oktober 2014 entstand. 

Nazar der Terrorrapper oder besser Nazar der Erfolgsrapper? Vom Flüchtling aus dem Golf-Krieg zu Österreichs Rap-Export Nummer 1. Diesen Sommer hat der Wiener mit einem Track zusammen mit Falco für Aufsehen gesorgt. Was außerdem auf seiner neuen Platte „Camouflage“ auf euch wartet in jetziger Review.

Camouflage ist viel mehr als stumpfer Gangsterrap. In diesem Album liegt eine Menge Trauer und viel von der realen Person Nazar. Familiäre Konflikte sind sehr offensichtlich Thema einiger Tracks. Dabei versucht er aber nie die Botschaft zu verstecken. Ich hätte mir manchmal etwas mehr Komplexität im Aufbau der Geschichten in den tiefgründigen Tracks gewünscht. Nazar schafft es dadurch auch nie wirklich zu berühren oder gar zum Nachdenken anzuregen.

Konträr dazu haben es auch einige klassische Gangster-Tracks auf die Platte geschafft. Gerade hier liegen meiner Meinung nach die eigentlichen Stärken des Wieners. Den hier kann er seine Art perfekt ausspielen, akustisch überzeugen und mit dem Druck seiner Stimme arbeiten. Gerade die deeperen Songs wirken, egal wie ehrlich sie wirklich sind nicht echt genug. Sobald aber die konkrete Person wegfällt und allgemeine Geschichten erzählt werden kommt diese besondere Geschichtenerzähler-Atmosphäre auf.  Aber auch die schafft es nicht auf ganzer Ebene zu überzeugen und kommt auch nicht an die Konkurrenz heran.

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Akustisch spielt Nazar auf einem extrem hohen Niveau. Er kommt unglaublich druckvoll hinter dem Beat raus. Seine tiefe bassige Stimme unterstreicht die elektronischen Beats sehr gut. Die aggressiveren Texte und Beats profitieren davon enorm und geben vielen Tracks Ohrwurmpotential. Die Reime sind mit Bedacht platziert und werden durch Variation im Flow und in der Sprache unterstrichen. Die Tracks bleiben durchgehend spannen, wenn sie auch etwas abwechslungsreicher sein könnten.

Speziell im Track „Zwischen Zeit und Raum“ zusammen mit Falco zeigt Nazar seine Limits. Im Vergleich mit Falco kann er das Niveau nicht halten und die eher klassische Beatwahl liegt im auch nicht so gut wie mancher seiner eigenen Beats auf „Camouflage“.

Was ist Camouflage also? Ein Album für Fans von tiefgründigen Geschichten und emotionalen Momenten oder doch ein Album bei dem die Musik per se im Vordergrund steht. Es mag auf seine Weise beides sein, aber nur der musikalische Aspekt konnte mich überzeugen. Das dafür auf ganzer Linie. Der Ohrwurmcharakter einiger Lieder macht das Album zu meinem meist gehörten dieses Jahr. Wer sich mit aggressiverem Rap  anfreunden kann, der nicht primär von Koks, Nutten und fette Autos handelt, der wird seinen Hörgenuss mit diesem Album haben.

Bilder: Universal Music Austria